Buchbesprechungen
Vorankündigung: Erscheint demnächst in der Eulenspiegel Verlagsgruppe,
Verlag am Park
Leuschner, Uwe:
Die Zukunft ist noch nicht geschrieben
Die Konflikte des Westens – und was Trump & Co. nicht wissen
288 Seiten, 12,5 x 21 cm, Klappenbroschur
ca. 20,– €
ISBN 978-3-360-02829-7
zur Zeit noch nicht lieferbar
Dr. Michael Geiger (10.04.2026)
dr.m.geiger@inco3.de
Rezension :
„Die Zukunft ist noch nicht geschrieben“
Die Konflikte des Westens - und was Trump & Co. nicht wissen
Am Ende des vorliegenden Buchses, zitiert sein Autor den französischen Dichterfürsten Paul Valery, Philosoph und Freund Rilkes mit den Worten nach dem ersten Weltkrieg: Europa „sei eine kleine Landzunge am Ende des asiatischen Kontinents“. Und weiter „Wir sehen jetzt, dass der Abgrund der Geschichte Raum hat für alle. Wir fühlen, dass eine Zivilisation genauso hinfällig ist wie ein einzelnes Leben“
Der Autor, Uwe Leuschner weiß, wovon er schreibt. Geboren 1960 in Karl -Marx- Stadt (heute Chemnitz) erlernte er den Beruf des Maschinenbauers, studierte Außenwirtschaft in Prag und war dann nach der Wende über ein Vierteljahrhundert ununterbrochen im Ausland vornehmlich in Russland, China und Zentralasien unternehmerisch, im Bereich der Logistik tätig, u.a. als CEO der Aktivitäten der Schenker AG innerhalb der Nachfolgestaaten der Sowjetunion.
Er schreibt, nicht als Politologe, nicht als Journalist, nicht als Historiker, nicht als eifriger Leser von Sekundärquellen, sondern mit seiner ostdeutschen Sozialisierung und den Erfahrungen eines Managers globaler Wirtschaftsabläufe. Dabei kommen ihm seine Kenntnisse von fünf Sprachen, seine Wendeerfahrungen und seine soliden Kenntnisse einer historisch-materialistischen Gesellschaftsmethodologie zugute. Das wohltuende besteht darin, dass er keine fertigen Rezepte anbietet, sondern den Leser immer wieder mit unerwarteten Fragen konfrontiert und dabei sanft verschiedene Sichtweisen und Optionen ihrer Lösung anbietet.
Damit ist es ein Sachbuch, was sehr lesbar ist und über weite Teile geradezu spannend bekannte und unbekannte Fakten und Zusammenhänge in neuem Lichte erscheinen lässt.
Im „Vorspruch“ zitiert er Thomas Fasbender (Berliner Zeitung):“Die Welt hat mit dem Westen kein Problem, aber der Westen (noch) mit dem Anderssein der Welt.“
„Der Rest der Welt, also alles, was nicht Westen ist, macht achtzig Prozent der Weltbevölkerung aus. Neu, so U. Leuschner, ist vor allem, dass es heute unverblümt ausgesprochen wird, was den Westen über Jahrzehnte motivierte. Früher galt das als kommunistischen Propaganda. Diese vier Fünftel haben ganz andere Vorstellungen vom globalen Miteinander wie auch davon, wie ein Staat und ein Staatsvolk organisiert werden sollten.“
Nicht nur das Unverständnis des Westens gegenüber den Entwicklungen in Eurasien ist Thema des Buches auch die Konflikte der Generationen und der Kommunikation werden behandelt. Dabei nimmt der Autor mitunter kein „Blatt vor den Mund“. Im Zusammenhang mit der Aufrüstung und der abenteuerlichen Kriegspolitik zitiert er den Sponti- Spruch der siebziger Jahre: Bomben werfen für den Frieden, ist wie ficken für die Jungfräulichkeit. Außerordentlich spannend sind seine an vielen Stellen vorgenommenen Einordnungen von Propagandakampagnen des Westens, in die geostrategische Interessenlage der USA. „Zentralasien ist der Hügel, auf dem das US-Imperium zu sterben beschlossen hat“. Hier ordnet sich der Versuch ein, die Uigurische Autonome Region Xinjiang im Nordwesten der VR China, zu destabilisieren und aus der Volksrepublik herauszulösen. Es gibt gegenwärtig zwanzig Millionen Uiguren, 20.000 leben in Idlib in Syrien und könnten jederzeit durch die CIA aktiviert werden. Leuschner berichtet aus erster Hand von den enormen technischen Innovationen der Volkrepublik. Viele davon konnte er auf seiner Spezialstrecke der Logistik vor Ort im harten Alltag erproben. Unter der Überschrift „Der lange Weg von Asien nach Europa“ behandelt der Autor klare Fakten zur Freizügigkeit des Reiseverkehrs und dem Umgang mit Visa-Gewährungen. Hier gibt es eine erstaunliche „Umkehrung“ der Faktenlage im Vergleich mit den bekannten Reisebeschränkungen der DDR -Bürger. Zwischen westeuropäischer Bürokratie und elektronischen Prozessabläufen der chinesischen Seite, tut sich ganz offensichtlich ein immer größeres Delta auf.
Interessant für den dialogischen Stil seines Essays, sind vier eingebauten Interviews.
Durchweg interessante „Typen“, die sich sehr offen den Fragen von Uwe Leuschner stellen und dabei durch ungewohnte Sichtweisen die Themenstellung des Buches bereichern, so etwa der Priester der Russisch-Orthodoxe Kirche.
Trotz aller kritischen und Besorgnis erregender Gegebenheiten der Weltpolitik, bewahrt sich der Autor seine positive Grundstimmung und bietet dem Leser damit eine Vielzahl von Ansatzpunkten zuversichtlich in die Welt zu schauen.
Es sind neben einer Vielzahl von Argumenten, Fakten, anregenden Fragestellungen zwei Dinge, die mich persönlich besonders beeindrucken. Erstens ist es die Schonungslosigkeit des Benennens von Verantwortlichkeiten für viele der Probleme dieser Welt und zweitens die benutzte Umgangs-Sprache und die Fähigkeit sich in die Sichtweise des Gegenübers hinein zu-denken und zu fühlen. Wer erfahren möchte, wie man uns wirklich sieht, so Leuschner, reist am besten im Herbst in eine chinesische Mittelstadt. Ein Oktoberfest findet sich überall. Bayern München, Michael Schumacher oder Deutschland erfolgreichster Tischtennisspieler Timo Boll sind in China Stars. „Ganz sicher kennt kaum ein chinesischer Maßbiertrinker den Namen des deutschen Bundeskanzlers. Oder weiß, dass die wertebasierte Außenpolitik unseren Nationalcharakter verkörpert.“ Eigentlich ist es ganz einfach. „Sie lehnen es ab, sich von einem Weltgendarm oder von einer Gesinnungspolizei Etiketten verpassen, sich „gut“ oder „böse“ nennen zu lassen.
Die persönliche Sicht des Autors wird auch deutlich auf den letzten zwei Seiten, wenn er behauptet:“ Evolution findet auch ohne Führung und ideologische oder theologische Vorgaben statt. In einem unendlichen Spiel solch einer Evolution wird es Sieger geben, viele Sieger, aber keinen Gewinner, der nur auf sich selbst orientiert versucht hat, sich durchzusetzen.“
„Grundeigentum verpflichtet –
Warum wir eine Gemeinwohlorientierte Bodenpolitik brauchen“
Autorin: Franziska Eichstädt – Bohlig
Eine Buchbesprechung von Dipl.-Ing. Günter Treudt, Vorstand Bildungsverein Kooperation Wirtschaft, Regierungsdirektor i.R.
Das Buch beschreibt die krisenhafte Wohnsituation in deutschen Städten und benennt die Ursachen durch Spekulation und renditegetriebene Investoren. Als erfahrene und kenntnisreiche Fachfrau macht Franziska Eichstädt – Bohlig deutlich, dass zur Verbesserung der Wohnverhältnisse die Eigentumsfrage an Grund und Boden mit bedacht werden muss. Sie betont an mehreren Stellen, dass der Boden als Gemeingut gesehen werden muss.
Mit ihrer Situationsbeschreibung und Analyse richtet sie sich insbesondere an die Mandatsträger/innen in Bund und Ländern, Kommunen und Kreistagen und vermittelt ein breites Aktionsfeld von Einflussfaktoren und Institutionen, die bei einer lösungsorientierten Behandlung der vielschichtigen Probleme Berücksichtigung finden sollte. So werden die Vermarktung des sozialen und gemeinnützigen Wohnens und die Steuerprivilegien des Grundeigentums verdeutlicht. Die kommunale Planungshoheit wird durch die aktuelle rechtsstaatlich geförderte private Bodenwertabschöpfung massiv behindert.
Erhellend werden in jedem der analytischen Kapitel zum Schluss die notwendigen Lösungsvorschläge mitgeliefert, die jedoch entsprechend der regionalen oder spezifischen Probleme weiter entwickelt werden können. Sehr aufschlussreich werden zum Schluss zehn Reformfelder für die politische Agenda vorgestellt und darüber hinaus werden auch die Expertisen von bereits durch andere Institutionen der Wissenschaft, der Mieterbewegungen und Bürgerinitiativen kurz vorgestellt.
So wird nicht zuletzt auch für die Berliner Verhältnisse und zu deren Lösungen der bestehenden Wohnungsnöte ein fundiertes Grundlagenwissen geliefert, damit das im nächsten Jahr 2026 anstehende Gesetzgebungsverfahren zur Vergesellschaftung von nicht gemeinwohlorientiert bewirtschafteten Wohnungen zielführend vorbereitet werden kann.
Berlin, 25.11.2025
Siehe auch: Publikationen
Verlag Edition-Ost der Verlagsgruppe Eulenspiegel
256 Seiten, broschiert, mit vielen Abbildungen
ISBN 978-3-360-02820-4